Eine Frage des Respekts

Erfolgsregisseur Sönke Wortmann im Interview über seine politisch korrekte Komödie „Contra“

Mit der Verwechslungskomödie „Der bewegte Mann“ landete er den großen Coup. Die Erfolgsserie des Sönke Wortmann ging weiter: „Das Wunder von Bern“, „Der Campus“, „Das Superweib“ sowie die WM-Dokumentation „Deutschland. Ein Sommermärchen“, die über drei Millionen Kinozuschauer lockte. Nach der Bestseller-Verfilmung „Die Päpstin“ präsentiert der Bergmannssohn nun mit „Contra“ eine Komödie über politische Korrektheit und Rassismus. Bei der Weltpremiere auf dem Zürich Film Festival gab es stehende Ovationen. Dort unterhielt sich unser Filmexperte Dieter Oßwald mit dem Regisseur.

 

Herr Wortmann, in „Contra“ geht es um Debattier-Wettbewerbe. Hier bekommen Sie die einmalige Chance, selbst rhetorisch zu glänzen. Ihr Thema lautet: Weshalb ist Sönke Wortmann der beste Regisseur der Welt?
Das stimmt ja gar nicht, deswegen muss man darüber gar nicht diskutieren. Ich würde also lieber die Contra-Position einnehmen: Wortmann ist es nicht, weil es ganz einfach bessere Regisseure auf der Welt gibt.

Hat politische Korrektheit nicht Dimensionen angenommen, die inflationär sind?
Bisweilen ist mir die politische Korrektheit auch zu viel geworden. Man sollte jedoch nicht nur von sich aus gehen. Ich bin weiß, männlich, deutsch – mir stellen sich also in dieser Hinsicht gar keine Probleme. Zudem gibt es Schlimmeres auf der Welt als zu viel Political Correctness. Wer sich dem verweigert, bekommt schließlich keine Strafe. Außerdem sollte man jene im Auge haben, die vielleicht darunter leiden. Denen es möglicherweise missfällt, wenn man sie Mohrenkopf nennt.

Beim Interview zu „Campus“ sagten Sie einst: „Im Leben geht es doch nicht um politische Korrektheiten, sondern um Wahrheit.“ Das Thema hat Sie schon länger interessiert …
Mit dem Thema politischer Korrektheit hat man immer zu tun. Für mich bedeutet das eigentlich etwas Positives, zumal es freiwillig gemacht wird aus Respekt gegenüber Schwächeren. Mittlerweile ist das leider zu einem rechten Kampfbegriff geworden und wird einem als Dummheit ausgelegt – durchaus auch in Form von Hass.

Sie hatten mit „Der Vorname“ bereits einen französischen Film für den deutschen Markt adaptiert. Nun folgt mit „Contra“ das nächste Recycling. Worin liegt der Vorteil beim Aufwärmen von Drehbüchern?
Im Unterschied zu ihrer Heimat waren beide Filme hierzulande keine Kino-Erfolge, deswegen haben wir deutsche Adaptionen daraus gemacht. Bei „Ziemlich beste Freunde“ würde keiner auf die Idee einer deutschen Fassung kommen, weil die im Original auch bei uns einfach gut funktionierte.

„Wollen Sie lustig sein? Humor reduziert Ihre Glaubwürdigkeit und Seriosität“, heißt es im Film einmal. Gilt das nicht auch für Sie und Ihre Arbeit als Regisseur?
Der Schublade des Komödienregisseurs sind ja längst weitere gefolgt. Ich war der Sport-Filmer, dann kamen historische Filme und Kammerspiele. Es sind schon vier Schubladen, in denen ich mich bewegen darf! Grundsätzlich glaube ich, dass man auch ernste Themen mit Humor behandeln sollte. Wobei ein Film anders funktioniert als eine Rede. Der erwähnte Satz gilt einem Vortag über Martin Luther King, wo er sicherlich zutrifft. Trotzdem glaube ich, dass man bei guten Reden durchaus mit Humor arbeiten kann, wie sich am Beispiel der Rede über den Islam zeigen lässt.

Einmal mehr, wenngleich auf etwas andere Art, darf Christoph Maria Herbst als überheblicher Professor glänzen. Was macht seine besondere Qualität aus?
Christoph zeigt in „Contra“, dass er auch anders kann. Und er war froh, dass er hier einmal aus seiner Schublade herauskonnte. Für mich gehört er zu den besten Darstellern seiner Generation. Schauspieler, die Komödien können, können alles andere auch. Die besondere Herausforderung lag darin, dass Christoph einen ernsten, verbitterten Mann spielt, der eigentlich gar nicht lustig ist, auch wenn es im Film viele unterhaltsame Momente gibt.

Was machen Sie, wenn zufällig „Der bewegte Mann“ im Fernsehen läuft? Schalten Sie eher ein oder ab?
Grundsätzlich schaue ich mir meine eigenen Filme nach der Premiere nicht mehr an. Erst recht nicht im Fernsehen. Ein kleines Bild und Werbeunterbrechungen machen überhaupt keinen Spaß.

Haben Sie nicht selbst Werbung gemacht?
Ja, aber schon lange nicht mehr. Das machen jetzt jüngere Leute. Für mich ist das kein Grund zum Bedauern, weil ich auch so ziemlich heftig zu tun habe.

Mit „Charité“ haben Sie eine erfolgreiche TV-Serie geliefert. Wären Streaming-Anbieter keine Verlockung für Sie, wo man dann weltweit gesehen werden kann?
Es kommt immer auf die Geschichte an. Wenn jemand mit einem starken Projekt um die Ecke kommt, dann würde ich prinzipiell immer zusagen, egal ob das nun Constantin wäre oder Netflix. Aber die haben mich noch nie angefragt. Wobei „Charité“ ja später auf Netflix lief, ebenso wie die Filme „Das Wunder von Bern“ oder „Der Vorname“. Man kann also in 180 Ländern gesehen werden, auch wenn man gar nicht für Netflix arbeitet!

Interview Dieter Oßwald
Fotos Constantin Film

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Geschrieben von oeding_admin

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